Ort römischer Funde

Foto: Hermann Huckert
Innerhalb der Gemarkung Oedekoven, von der Höhe der Oberterrasse über das nach Süden geneigte Gelände bis hin zum Hardtbach, sowie auch in Richtung Lessenich, das römische Laciniaco, wurden in der Vergangenheit römische Bodenfunde gemacht. So liegt die Vermutung nahe, dass bereits in römischer Zeit der Nord- bis Südhang von Oedekoven am Vorgebirge und die dazugehörigen Tallagen Kulturland waren.
Gleich unterhalb der Oberterrasse „Auf dem Büchel“ fand man in einem Garten eine römische Münze, ein As des Augustus. In der Flur „Pütz Bongert“, auf den Hardtbach zu, wurden eine dichte, kleingeriebene römische Ziegelstreuung und eine römische Randscherbe gefunden. In der gleichen Flur entdeckte Herr Johann Manns aus Oedekoven im Jahr 1935 ein römisches Ziegelplattengrab. Das Grab lag 1m tief im Gartenland. Man fand darin 2 Einhenkelkrüge und 2 Töpfe mit Deckel. Bei der Vertiefung eines Teiches stieß man im Jahr 1884 etwa 2 ½ Meter unter der Teichsohle auf eine kleine römische Schnallenfibel in Form eines glatten Rings von 2cm Durchmesser und zwei römische Münzen.
Wird die Ausdehnung des Kulturlandes in römischer Zeit innerhalb der Gemarkung Oedekoven durch entsprechende Bodenfunde abgesteckt, so ist das Zentrum menschlicher Ansiedlung in dieser Gemarkung wahrscheinlich die Villa Rustica, die im Bereich der Gewerbeflächen zwischen der Medinghovener Str. und Im Klostergaten gefunden, dokumentiert und überbaut wurde. Etwa im von Robert Thomas vermuteten Bereich. Eine systematische Grabung im Bereich des Tempelhofs würde seiner Auffassung nach noch zahlreiche Gräber aufdecken. Durch eine Baumaßnahme im Bereich des Tempelhofs war nämlich ein schmaler Schacht zur Aufnahme der Abwasserleitung aufgehoben worden. Der Eigentümer konnte durch behutsame Arbeit 7 römische Gefäße bergen.
Nach Lage der bekannten römischen Wasserleitungen von der Eifel nach Köln und des Kanals von Witterschlick nach Bonn konnte die Villa Ristica, der römische Wirtschaftshof, in der aufgezeigten Lage am Südhang im heutigen Oedekoven nicht mit Frischwasser aus der römischen Wasserleitung versorgt werden. So fand man denn auch bei Ausschachtungsarbeiten auf der Südseite der Flur „An der Wegscheid“ eine Wasserleitung aus Tonröhren, deren Richtungsverlauf nicht ermittelt werden konnte. Der Bodenfund blieb ohne weitere Untersuchung im Privatbesitz. Es handelt sich wohl um die gleiche Art der 4zölligen römischen Wasserleitungsröhren aus Ton, die vom Hardtberg kommend, als eine Zusatzspeisung in den Frischwasserkanal Witterschlick-Bonn in Höhe der Degensmühle einmündete.
Dieser Frischwasserkanal verlief auf der dem Ort Oedekoven gegenüberliegenden Seite des Hardtbaches noch innerhalb der Gemarkungsgrenzen. So fand man bei Erdarbeiten zu einem Neubau diese römische Wasserleitung. Die Wangen dieser Kanalrinne waren aus Tuffstein mit riesigem Kalkmörtel aufgemauert. Kanalwände und Sohle waren mit grobem Wasserputz glatt verstrichen. Die lichten Maße betrugen 40×40 cm. Nach Peter Esser hatte der Frischwasserkanal Witterschlick-Bonn in der Höhe von Nettekoven, von wo aus er die römische Staatsstraße Trier-Bonn zum Legionslager begleitete, eine Außenabmessung von 59 cm. Das Fehlen von Kalksinterablagerungen im Frischwasserkanal zeigt, dass diese Wasserleitung zum Bonner Legionslager nur kurze Zeit in Betrieb gewesen sein kann.
Die Villa Rustica in Oedekoven verdankt wohl ihre Existenz der Nähe des Bonner Legionslager als Markt für landwirtschaftliche Produkte, darunter Wein, der noch den vielen folgenden Generationen der Oedekovener Winzer über Jahrhunderte eine Haupteinnahmequelle war. Sie war auch verkehrsgünstig in Sichtnähe der von Trier nach Bonn führenden „Strata Publia“ gelegen, die über Buschhoven kommend die Höhe der Villa erreichte und über Ramelshoven und Nettekoven an der unteren Degensmühle auf die rechte Seite des Hardtbachs wechselte, von wo aus sie dann gemeinsam mit der Frischwasserleitung zwischen den Duisdorfer Burgbenden und dem Ort Lessenich, dem römischen Laciniaco, als „Alter Heerweg“ bekannt, über die Immenburg nach Bonn führte.
