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Haus und Hof von Kloster Schillingskapellen

Die Jungfrauen von Kloster Schillingskapellen zu Heimerzheim waren im Mittelalter ebenfalls in Oedekoven mit Land und Weingärten belegt. Nach der unter Erzbischof Dietrich von Moers erstellten Liegenschaftsaufstellung des Jahres 1449 hatten sie dieses Land gegen Geld und Naturalleistungen verpachtet.

Nach der Steuerdeskription des Jahres 1733 wird für die Klosterschwestern ein Haus mit Hof aufgeführt mit 2 Morgen Weingärten und 4 Morgen Benden. Kloster Schillingskapellen war außerdem im Besitz einer Zehntgerechtigkeit von Weingärten, der als nasser Zehnt, also als Naturalleistung auf dem Hof einging.

Der letzte Weingärtner von Kloster Schillingskapellen in Oedekoven war wohl Mathias Vianden, der in der nachfolgenden französischen Verwaltungszeit noch Pächter von Haus , Hof und Liegenschaften der ehemaligen Klosterbesitzungen war. Im Jahr 1794 wurde dieser geistliche Besitz säkularisiert und von der französischen Domänenverwaltung verkauft. Vor dem öffentlichen Verkauf des Objektes mit Haus, Hof, 8a Garten, 8a Feld und 83a Weingarten war der ehemalige Klosterbesitz auf 800 Franken Wert geschätzt worden. Die öffentliche Versteigerung erfolgte am 23. August 1804, und Mathias Karth aus Bonn erwarb das Haus und Land für 1825 Franken.

Am Fuß der Ginggasse liegt linker Hand ein großzügig ausgeführter Fachwerkbau mit einem sauber gearbeiteten Krüppelwalmdach, das man sich in seiner früheren Erscheinungsform noch strohgedeckt vorstellen muss, das heutige Haus Nr. 48.

Noch zum Anfang des 20. Jahrhunderts gehörten zu diesem Wohnhaus umfangreiche Wirtschaftsgebäude mit Gesindeunterkünften. Ein längst verschwundener Backofen des Hofes hatte nach Aussage alter Ortseinwohner eine ungewöhnliche Größe. Er war in einem eigens dafür geschaffenen Keller untergebracht und belegt auf seine Weise die Größe des zu versorgenden Haushalts dieser Hofgemeinschaft.

In einer Karte, die in französischer Verwaltungszeit der Rheinlande unter Oberst Tranchot 1802 – 1813 begonnen und in der nachfolgenden preußischen Verwaltungszeit fertiggestellt wurde, liegt der ehemalige Hof der Klosterschwestern von Schillingskapellen, mit dem Geviert seiner Gebäude um einen geräumigen Innenhof und einem in der nördlichen Ecke eines mit Bäumen umstandenen großen Gartens, an der Ginggasse.

Es ist naheliegend, dass Mathias Karth, der den Hof von Kloster Schillingskapellen von der französischen Domänenverwaltung kaufte, wohl der Vater des Königlich Preußischen Hauptmanns Kristian Karth ist, der anschließend an die Amtszeit des Bürgermeisters Balbiano von Poppelsdorf sein Amt als Bürgermeister von Oedekoven antrat.

Mit dem Jahr 1863 endete die Amtszeit von Bürgermeister Kristian Karth, und weitere Namensträger Karth sind im Dorf Oedekoven danach nicht mehr nachzuweisen. Hier endet auch die schriftlich belegte Besitzfolge des ehemaligen Klostergutes. Nach Bürgermeister Karth könnte der Gastwirt und Ackerer von Oedekoven, Johann Nettekoven, verheiratet mit Elisabeth Faßbender, der Nachfolgebesitzer gewesen sein, dessen Sohn Heinrich Nettekoven bereits als gesicherter Eigentümer des Hofes in der Ginggasse gemeldet ist.

Die weiteren Besitzer des Hauses waren die Eheleute Christian Löllgen und Gertrud, geborene Schüller. Löllgen war Landwirt und Maurer und hat wohl viele Umbauten am Wohnhaus vorgenommen, dessen äußere Erscheinung aber nicht verändert. Die Tochter der vorgenannten Eheleute Löllgen heiratete den Ackerer Johann Piel.

Dieser Ehe entstammten die vier Kinder; Katharina, Anna, Johann und Margaretha. Johann Piel verstarb vor 1919 und seine Witwe Gertrud verteilte danach die Hinterlassenschaft in vier gleichen Teilen an ihre Kinder. Die Tochter Anna heiratete den Landwirt Johann Gäb von Oedekoven und erbte das Haus in der Ginggasse. Die Eheleute Gäb vererbten das ihnen zugefallene Haus an ihre Tochter Anna, die mit ihrem Ehemann Adolf Schäfer die Vorbesitzer des heutigen Eigentümers waren.

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