Der Jungfernpfad

Der Jungfernpfad ist Teil des „Junffernpatt“, eines historischen Prozessionswegs. Die Legenden knüpfen an einen ehemaligen Pfad an, der von Lüftelberg über Witterschlick, Oedekoven, Gielsdorf, Birrekoven, Alfter, Brenig und Hemmerich nach Weilerswist führte, heute noch streckenweise vorhanden ist und teilweise den Namen „Hellweg“ oder „Helpath“ führt.
Das Zentrum der Verehrung der drei heiligen Schwestern im Rheinland bildet das sog. Swistertürmchen auf dem Swisterberg bei dem Ort Weilerswist. Inmitten einer Waldlichtung auf der Anhöhe über der Ebene des Flüsschens Swist steht vereinzelt ein kleiner Kirchturm aus romanischer Zeit – einzig verbliebener Überrest des wüstgefallenen Dorfes Swist. Hier fand der Jungfernpfad sein Ziel, der ab Brenig dem Verlauf des „Heerwegs“, also der im Mittelalter bedeutenden Fernstraße Bonn-Aachen, folgte und der auch gerne von Jakobspilgern benutzt wurde, so dass die Wallfahrtsstätte der drei hl. Jungfrauen zudem häufig als Station auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela frequentiert wurde.
Die Legenden, die sich an den ehemaligen „Jungfernpfad“(2) anknüpfen, zeichnete Kessel (3) aus dem Munde des Volkes auf: „Hochgeachtet lebte in Lüftelberg die hl. Lüfthildis. Der Ruhm ihrer Gottseligkeit und der guten Werke, die sie dort übte und wodurch sie die Heiden zur Bekehrung veranlaßte, war bis nach Rom gedrungen. Dort lebten die drei Schwestern Fides, Spes und Charitas, deren Herz von Sehnsucht brannte, der gottseligen Dienerin Christi nachzufolgen und zur Ehre Gottes und für das Heil der Seelen sich aufzuopfern. Lüfthildis kam ihrem Wunsche entgegen, indem sie dieselben einlud, nach Weilerswist zu gehen und dort um Christi willen für das Wohl der Menschen zu wirken. So kamen sie von Rom. Ihr Weg führte sie zuerst nach Lüftelberg, um die Gottesmagd zu besuchen und ihr zu danken.
Als die drei Schwestern von Lüftelberg Abschied genommen hatten, reisten sie über Alfter nach dem Orte ihrer Bestimmung. Da zeigte Gott, daß er mit ihnen sei; denn der Weg, den sie zu gehen hatten, ebnete sich und wurde blank vor ihren Augen, Blumen sproßten hervor, wo ihre Füße traten, und als sie in die Nähe von Brenig kamen, begannen dort die Glocken von selbst zu läuten.“
J. Dietz glaubt,(2) daß der Blutpfad zwischen Brenig und Alfter mit dem Jungfernpfad
identisch ist. An diesen Blutpfad knüpft sich die Legende von den drei Ordensschwestern, die nach Aufhebung ihres Klosters 1802 die Reliquie des Heiligen Blutes von Brenig nach der Mordkapelle in Bonn-Endenich übertragen wollten und hier der Sage nach ermordet wurden. In Wirklichkeit aber, so Dietz, verdankt der Pfad seinen Namen den Prozessionen, die zur Verehrung der Heiligblutreliquie, die dem Kloster Brenig 1663 geschenkt wurde, hierherkamen. Er sieht in der Blutsage die Einwirkung der Dreijungfernlegende, die sich an den Jungfernpfad anknüpft. Es dürfte kein Zweifel darüber bestehen, dass es sich auch bei letzterem um einen alten Wallfahrtsweg handelt, der die beiden Kultorte Lüftelberg und Weilerswist miteinander verband, da man im Mittelalter von einem Wallfahrtsort zum anderen pilgerte.(3) Anmerkungen: (2) Adolf Bach, Flurnamenforschung, Bonn 1931, S. 31. (3) Vgl. Kessel, a.a.O., S. 204. t Lüfthildis-Büchlein 1768, S. 13 f.
Quellen:
Studien zur Kölner Kirchengeschichte, hrsgg. v. Historischen Archiv des Erzbistums Köln, 3. Band, Von Dr. Magdalene Frank, Verlag L. Schwann Düsseldorf, 32 f.
