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Alte Schule „Klinkerberg“

Im Herbst des Jahres 1841 besichtigte die Gielsdorfer Schule Seminardirektor Pauli aus Brühl. Er stellte fest: Das Schulhaus könnte besser sein, dem Vernehmen nach sollte ein neues gebaut werden. Über die Arbeit des Lehrers berichtete er, dass Lehrer Kirschbach bei der übergroßen Zahl von Schulkindern, es gehörten 160 Kinder zu dieser Schule, recht brav gearbeitet habe. Säumnisse kamen nach seinem Bericht selten vor.

1844 war die neue Schule auf der Höhe zwischen Gielsdorf und Oedekoven fertiggestellt. Der in Feldbrandziegeln ausgeführte Bau, im Volksmund allgemein „Klinkerberg“ genannt, hatte neben der Lehrerwohnung zwei Schulzimmer und kostete die Gemeinde 960 Taler Baukosten. Die Unterrichtung der Kinder erfolgte zu dieser Zeit schon durch Lehrer Wasserfuhr und einen Präparanten. 1868 wurde die Hilfskraft durch die Lehrerin Becker ersetzt und durch Trennung von Jungen und Mädchen das einklassige System eingerichtet. Nachfolgerin der Lehrerin Becker, die von 1914 bis 1921 unterrichtete, war die Lehrerin Anna Margaretha Esser. Die Schulaufsicht führte weiterhin der geistliche Rektor an der Kapelle Gielsdorf, bis nach der Ausweisung von Rektor Rokoch, der ebenfalls die Schulaufsicht geführt hatte, der Bürgermeister von Alfter diese übernahm.

1930-er Jahre

Nunmehr bildete man wiederum gemischte Klassen, wobei die Lehrerin die jüngeren Kinder und der Lehrer die älteren Kinder unterrichtete. Bis zum zweiten Weltkrieg erhöhte sich die Anzahl der Schüler und Schülerinnen aus Gielsdorf und Oedekoven nur unwesentlich, so dass in der Zwischenzeit nur ein weiterer Raum angebaut werden musste. Gegen Ende der fünfziger Jahre baute die Gemeine Oedekoven eine eigene Schule. Der Gemeinde Gielsdorf verblieb nunmehr als Schulgebäude ein altes, stark renovierungsbedürftiges Gebäude, und der Gemeinderat von Gielsdorf beschloss, eine neue vierklassige Schule in Gielsdorf zu bauen, die im Jahre 1963 fertiggestellt wurde.

Das neue vom Land Nordrhein-Westfalen eingeführte Schulkonzept der Mittelpunktschule als Grund- und Hauptschule, von der man ja gerade in Gielsdorf durch die Auflösung der gemeinsamen Gielsdorf-Oedekovener Volksschule wegen einer besseren Schulversorgung abgegangen war, brachte der Gemeinde Gielsdorf erhebliche Finanzprobleme. Seit 1968 gehen nunmehr die Hauptschüler in Alfter zur Schule, wogegen nach vorangegangenem heftigen Protest der Elternschaft die Grundschüler, nicht wie geplant, nach Alfter zu gehen hatten, sondern weiterhin im Schulgebäude Gielsdorf beschult wurden.

1970-er Jahre

Dann wurde das Gebäude verkauft. Der neue Eigentümer wollte es abreißen und durch den Neubau eines Einfamilienhauses ersetzen. Bevor es zum Abriss kam, wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Damit verlor der Eigentümer das Interesse, vermietete das Haus und überließ es seinem Schicksal. 2009 wurde das Gebäude aufwendig saniert und dient heute wieder als „Schule“

Es beherbergt seit dem die Genuss-Schule Alfter.

Vorgeschichte

Es dürfte heute nicht mehr allgemein bekannt sein, dass die frühesten örtlichen Bildungseinrichtungen für Kinder von der Kirche geschaffen und Jahrhunderte ausschließlich von ihr getragen wurde. So ist die Geschichte der Schule von Gielsdorf, für zwei Jahrhunderte belegt, ebenfalls Teil der Geschichte der Kapellengemeinde von Gielsdorf.

Wenn durch die Verbindung von Offermann (Küster) und Lehramt andernorts durch die Kirche eine erste bescheidene Bildung vermittelt wurde, so war es in Gielsdorf der Frühmeßner und später ein geistlicher Rektor, der „die zarte Jugend in der Frömmigkeit, im Lesen, der Sittenlehre und anderen christkatholischen Satzungen“ unterwies. Die notwendige Vergütung des Frühmessners erfolgte durch Stiftungen. Im Jahre 1691 trat Heinrich Moll, frommer Junggeselle und ehelicher Sohn Gielsdorfer Eltern, seine Stelle als Frühmessner an, nachdem sein Vorgänger verstorben war.

Die schulische Betreuung der Gielsdorfer Jugend, die übrigens mit der Oedekovener Jugend gemeinsam in Gielsdorf erfolgte, kann somit bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgt werden. Nachdem um 1720 Vikar Werner Werber die Gielsdorfer Schule betreute, trat später Vikar Ferdinand Moll an dessen Stelle. Alle nun folgenden Vikare an der Kapelle von St. Jakobus zu Gielsdorf waren zugleich auch die Lehrer der Schule für die Gielsdorfer und Oedekovener Kinder, die in dem nördlich von der Kapelle gelegenen Wohnhaus des geistlichen Rektors unterrichtet wurden.

Im Jahre 1786 wurde die Stelle des Vikars und somit auch die des Rektors der Schule wegen ihrer ungenügenden finanziellen Ausstattung als unbesetzt gemeldet, und der Kurfürst trug der Gemeinde Gielsdorf auf, einen zum Schulhalten tauglichen, mit einem anderweitigen Ordinationstitel versehenen Geistlichen zu präsentieren; wobei Kurfürst Max Franz ausdrücklich ausschloss, dass die Gielsdorfer von sich aus einen Personalwechsel vornehmen könnten. Danach war, wie schon berichtet, durch Verfügung des Kurfürsten das „Beneficium“ an der Gielsdorfer Kapelle wegen seiner zu geringen Finanzausstattung nunmehr nur noch ein „Officium“.

In den Städten und auf dem Lande des Erzstiftes Köln waren oft unzureichend vorgebildete Lehrkräfte im Schuldienst anzutreffen, die meist nebenberuflich, ohne jede Methode, unterrichteten. Um diesem allgemeinen Übel abzuhelfen und für die Zukunft nur noch geeignete Lehrkräfte zum Schuldienst zuzulassen, gründete Kurfürst Max Franz (1784-1794) im Jahre 1786 in Bonn eine Lehrerbildungsanstalt für das Kurfürstentum Köln. Das Bönnsche-Intelligenzblatt vom Dienstag, dem 13 Juni 1786 veröffentlichte die dementsprechende kurfürstliche Verfügung über die Ausbildungsstätte der Lehrer. Die Unterrichtung in Pädagogik und Gebrauch der Lehrmittel erfolgte in Kursen von sechs bis acht Wochen.

Ein Teilnehmer des ersten Lehrgangs 1787 an der vom Kurfürsten in Bonn gegründeten Akademie war der Geistliche Peter Aloys Schmitz, der dort seine Ausbildung in der Pädagogik erhielt und der nächste Vikar und Rektor an der Kapelle in Gielsdorf wurde. Die Kapellengemeinde Gielsdorf hatte also schon recht bald wieder eine Geistlichen gefunden. Nach einem Bericht des Bonner Schuldirektors Bonifaz Oberthür, dem Leiter des Bonner Gymnasiums, aus dem Jahre 1790, den er nach Angaben des Pfarrers von Lessenich anfertigte, zählte die Pfarre Lessenich 1080 Erwachsene. Die Schulkinder der ganzen Pfarrei St. Laurentius wurden in den Orten Duisdorf und Gielsdorf von Schulvikaren unterrichtet, die aus den nachfolgenden Ortschaften kamen: Lessenich 15 – Messdorf 5 – Duisdorf 102 – Oedekoven 71 – Gielsdorf 68 – Nettekoven 4

Die einheitliche Ausbildung der Lehrer und die vorgeschriebenen Lernmittel brachten in der Folge schöne Erfolge, wie sie Bonifaz Oberthür nach den entsprechenden Schulvisitationen in seinen Berichten über die zuständige Schulkommission an den Kurfürsten aufzeigen konnte. Aber die Zeit bis zum Niedergang des Kölnischen Kurstaates war nur noch sehr kurz bemessen und mit ihr die vom Kurfürsten getragene Schulreform der Elementarschulen.

Dem bereits 60-jährigen Vikar und Rektor Peter Aloys Schmitz von Gielsdorf verdanken wir einen Bericht aus dem Jahre 1794, den er nach dem Einmarsch der französischen Truppen in Kurköln fertigte und in dem er erwähnt, dass neben anderen dahingegangenen Errungenschaften Kurkölns die Dorf-und Stadtschulen als eine der Nachwelt zu übermittelnde lobenswerte Einrichtung bestanden hätten. Ob durch die Kriegsereignisse eine wesentliche Unterbrechung in der Unterrichtung der Gielsdorfer und Oedekovener Schulkinder eingetreten ist, konnte nicht ermittelt werden, aber bereits 1008 wurde durch Lehrer Sette wiederum Unterricht in der „Primär-Schule“ von Gielsdorf abgehalten.

Die Gemeinden hatten die Kosten der Unterrichtung zu tragen. Die Lehrer wurden von dem Mair und den Gemeinderäten gewählt. Das Lehrergehalt setzte sich wie folgt zusammen:

Durch Beschluss des Präfekten vom 29. November 1806 wurden die Maire und Gemeinderäte gebunden, nur Lehrer anzustellen, welche im Besitz eines Abschluss-Zertifikats waren, welches von den Lehrern durch Teilnahme an den in Koblenz eingerichteten Lehrerkurse der Sekundarschule zu erlangen war. Außerdem wurde noch die Vorlage einer Bescheinigung über ihre Fähigkeiten gefordert, die sie nach Ablegung einer Prüfung vor eine Jury des Öffentlichen Unterrichts in Koblenz erhielten. Die Unterpräfekten, die mit der Errichtung der Primärschulen beauftragt waren, hatten dem Präfekten monatlich einen Bericht über die in ihrem Bereich gelegenen Primärschulen zu liefern. Durch dieses Verfahren hatte der französische Staat die Möglichkeit, die ihm genehmen Lehrer für die einzelnen Gemeinden auszuwählen. Die Gemeinden waren in der Regel durch Steuern und Abgaben so hoch verschuldet, dass sie ihren Aufgaben, wie zum Beispiel im Schulwesen, keine besondere Aufmerksamkeit widmen konnten.

Erst unter preußischer Verwaltung (1815) kam ein staatlich geprüfter Lehrer nach Gielsdorf, der in seinem Hause auf dem Pusacker, in dem bis vor einigen Jahren noch Herr Heinrich seine Schmiede betrieb, Schulunterricht für die Kinder aus Oedekoven und Gielsdorf hielt. Die Beschulung der Kinder lag aber weitgehend noch im Ermessen der Eltern. Erst 1825 wurde von der Preußischen Regierung die Schulpflicht eingeführt und den Eltern der regelmäßige Schulbesuch ihrer schulpflichtigen Kinder zur Pflicht gemacht.

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